Die TGZ hat in der Periode von 2011 bis 2015 unter ihrem damaligen Präsidenten Prof. Dr. Peter Leuthold verschiedene Thesen zu Fragen der Technik veröffentlicht, welche in der öffentlichen Diskussion aktuell waren. Diese Thesen sind in ihrem gesellschaftspolitischen Kontext zu sehen. Auch wenn sie durch technische oder politische Entwicklungen zum Teil überholt sind, geben sie doch Zeugnis für zeitbedingte Problemstellungen und die Reaktion der TGZ auf diese Fragen, sind also mithin Zeitdokumente.

Die TGZ ist politisch und wirtschaftlich neutral. Aus diesen Thesen, die wesentlich von den jeweiligen Autoren geprägt sind, darf nicht auf eine politische Präferenz der TGZ-Mitglieder oder deren einhellige Zustimmung zu den Thesen geschlossen werden.

Die Thesen der TGZ

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    These 1

    Ohne Atomstrom keine sichere und nachhaltige Stromversorgung

    Die fünf Kernkraftwerke der Schweiz decken rund 40% des Schweizer Strombedarfs. Bundesrat und Par­lament haben im Jahr 2011 aufgrund des KKW-Unfalls in Fukushima den schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen. Gemäss Energiestrategie 2050 des Bundes sollen die bestehenden fünf Kernkraftwerke am Ende ihrer sicherheitstechnischen Betriebs­dauer stillgelegt und nicht durch neue Kernkraftwerke ersetzt werden. Die Stromproduktion aus Wasserkraft sowie aus erneuerbaren Energien (Sonne, Biomasse, Biogas, Abfall, Ge­othermie) soll ausgebaut werden. Ferner soll die Möglichkeit bestehen, die Nachfrage falls nötig durch den Ausbau der fossilen Stromproduktion aus Wärmekraftkopplungsanlagen und Gaskombikraftwerken und/oder durch vermehrte Stromimporte zu de­cken. Natürlich sollen auch mittels Lenkungsabgaben und Vorschriften aller Art bezüglich Energieverbrauch die Anstrengungen zum Stromsparen massiv erhöht werden. Die Frage, wie die ausfallende Energie konkret ersetzt werden kann, wird allerdings nicht faktenbasiert, sondern mit politisch motiviertem Wunschdenken beantwortet.

    Ohne Atomstrom keine sichere und nachhaltige Stromversorgung
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    These 2

    Elektrosmog – Gefährdung unserer Gesundheit?

    Die moderne Technik basiert auf der Elektrizität als Trägerin von Information und Energie. In allen elektrischen und elektronischen Systemen existieren Spannungen und fliessen Ströme, die gemäss physikalischen Gesetzmässigkeiten unabdingbar von elektromagnetischen Feldern begleitet sind. Letztere füllen „gewollt“ (z.B. Radiowellen) oder „ungewollt“ (z.B. Streufelder elektrischer Haushaltgeräte) unseren gesamten Lebensraum und werden deshalb in Analogie zum aktuellen Problem der Luftverschmutzung auch „Elektrosmog“ genannt. Der Begriff Elektrosmog trifft den Sachverhalt jedoch nicht genau. Unter Smog versteht man üblicherweise bestimmte Schadstoffkonzentrationen in der Luft. Im Hinblick auf die elektromagnetischen Felder des Mobilfunks ist das Wort Smog irreführend, da sich die Felder nicht wie etwa die Russpartikel von Auspuffabgasen verteilen. Auch sind sie kein Abfallprodukt, sondern Voraussetzung für die Mobilfunkkommunikation.

    Elektrosmog – Gefährdung unserer Gesundheit?
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    These 3

    Die Schweiz braucht mehr Ingenieure!

    Pioniergeist, Forschungsdrang, Experimentierfreude und Kreativität haben seit Beginn der Industrialisierung die Schweiz geprägt und sie zu einem erfolgreichen Wirtschaftsstandort gemacht. Nun droht unser Land im Zuge der Globalisierung mehr und mehr von Nationen überrollt zu werden, die ihre Entwicklung rascher vorantreiben. Grund: Zwar wird hierzulande nach wie vor erfolgreich geforscht, doch verhindert unser Sicherheitsdenken, unsere Bürokratie sowie unser Ausbildungssystem, das zu wenig Ingenieure hervorbringt, eine zügige Umsetzung der Innovationen in marktfähige Produkte.

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    These 4

    Elektrische Energieübertragung: Freileitungen oder erdverlegte Kabel?

    Die Übertragung elektrischer Energie mit grossen Leistungen auf metallischen Leitungen muss bei möglichst kleinen Strömen erfolgen, damit die Verluste gering bleiben. Letztere berechnen sich aus dem Strom im Quadrat, multipliziert mit dem Leitungswiderstand. Hohe übertragene Leistungen bei kleinen Strömen erfordern hohe Spannungen, da die elektrische Leistung proportional dem Produkt aus Spannung und Strom anwächst. Eine Reduktion des Leiterwiderstandes auf praktisch null (Supraleitung) ist beim heutigen Stand der Technik nicht praktikabel.

    Aus technischer Sicht lassen sich heute grundsätzlich alle Hochspannungsverbindungen in der Erde verlegen. Es stellt sich jedoch die Frage nach den Kosten für den Bau und Unterhalt unterirdischer Kabelverbindungen, die bei gleicher Uebertragungsfähigkeit im Vergleich zu Freileitungen ein Vielfaches an finanziellen Mitteln erfordern. Bei Spannungen > 150 kV ist der Ersatz von Freileitungen durch Kabel kaum nachhaltig.

    Elektrische Energieübertragung: Freileitungen oder erdverlegte Kabel?
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    These 5

    Zweite Röhre für den Gotthard-Strassentunnel?

    Der 17 km lange Gotthardstrassentunnel ist das Schlüsselobjekt der Autobahn A2 Basel – Chiasso. Er wurde ursprünglich als zwei getrennten Tunnelröhren mit je zwei Fahrspuren geplant. Aus finanziellen Gründen wurde die Ausführung etappiert. 1980 wurde die Weströhre für den Zweirichtungsverkehr in Betrieb genommen, ebenso wie die für zwei Tunnelröhren dimensionierten Lüftungsbauwerke und Portalzonen. Der geplante rasche Weiterbau an der zweiten östlichen Tunnelröhre wurde vorerst zurückgestellt.

    Mit Annahme der Alpenkonvention und vermehrtem Einfluss von strassenverkehrskritischen politischen Kräften haben sich die Rahmenbedingungen, nicht aber das Verkehrsaufkommen, erheblich verändert. Der Gotthardstrassentunnel als eine nicht richtungsgetrennte Tunnelröhre bleibt hinsichtlich Sicherheit ungenügend.

    Im Jahr 2020 wird die Weströhre bereits 40 Betriebsjahre aufweisen. Eine umfassende bauliche Sanierung wird notwendig. Zwei Varianten sind denkbar: Eine mehrjährige Voll- oder Teilsperrung des Gotthardtunnels oder der vorgängige Bau der ursprünglich geplanten Oströhre mit anschliessender Sanierung der Weströhre. Während dieser Zeit würde die Oströhre analog dem heutigen Zustand betrieben. Nach vollständiger Sanierung würde jede Tunnelröhre einspurig mit Pannenstreifen geführt, um der Alpenkonvention Rechnung zu tragen.

    In dieser These wird aufgezeigt, dass die Variante mehrjährige Tunnelsperrung gegenüber der Variante zweite Tunnelröhre gravierende Nachteile aufweist und nicht sachlich, sondern nur politisch begründet werden kann.

    Zweite Röhre für den Gotthard-Strassentunnel?
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    These 6

    Geothermie – ein namhafter Beitrag zur elektrischen Energieversorgung der Schweiz?

    Der Bundesrat hat am 25. Mai 2011 beschlossen, aus der Atomenergie auszusteigen. Bezüglich Ersatz der bis 2034 wegfallenden Kernenergie denkt man neben Sparmassnahmen beim Stromverbrauch an eine massive Steigerung der Produktion erneuerbarer Energien (Ausbau Wasserkraft, Windkraftanlagen, Photovoltaik etc.). Grosse Hoffnungen setzt der Bundesrat auf die Stromerzeugung mittels Geothermie, die bis zum definitiven Atomausstieg zwischen 4 und 5 TWh pro Jahr, d.h. etwa 7% der gesamten elektrischen Energie liefern soll. Diese Art der Stromproduktion ist nahezu CO2-frei und liefert sog. „Bandenergie“, die im Gegensatz zu Windkraft und Photovoltaik keinen kurzfristigen Schwankungen unterliegt. Zudem ergeben sich keine Abhängigkeiten vom Ausland.

    Leider basieren die geothermischen Vorstellungen des Bundesrates auf unrealistischen Annahmen, wie in dieser These gezeigt wird. Selbst das Bundesamt für Energie lässt neuerdings verlauten, dass Experten bis 2030 mit rund einem Dutzend Anlagen rechnen, die insgesamt 0.8 TWh Strom produzieren werden. Die geothermische Stromproduktion erweist sich zwar auf den ersten Blick als attraktiv, da sie unbestreitbare Vorteile aufweist. Ihre Realisierung im Rahmen der Planung des Atomausstieges bis 2034 dürfte jedoch ein zu ehrgeiziges Ziel bleiben und lässt zudem gewichtige Vorbehalte bezüglich Landschaftsschutz im Raum stehen.

    Geothermie – ein namhafter Beitrag zur elektrischen Energieversorgung der Schweiz?
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    These 7

    Eine Reform der informatischen Bildung an den Primar-, Sekundar- und Mittelschulen ist dringend notwendig!

    Wie die meisten westlichen Länder hat die Schweiz die Informatik in der Bildung sträflich vernachlässigt, ganz im Unterschied zu den osteuropäischen und asiatischen Ländern. In der Schule hat sich ein von Notebook- und Smartphone-Anwendungen geprägtes medienzentriertes Bild von „Informatik“ breit gemacht, weit entfernt von einer Wissenschaft der Informationsverarbeitung, welche die Grundlagen für die Verfahren und Prozesse der Informationsgesellschaft ist. Seit dem Jahr 2013 hat aber in Bildungskreisen ein Umdenken eingesetzt, nicht zuletzt unter dem Einfluss des Förderprogrammes FIT – fit in Informatik der Hasler Stiftung.

    Im Bildungssystem sind Massnahmen beschlossen worden, welche den Forderungen der These 7 weitgehend entsprechen. Der Lehrplan 21 enthält eine zeitgemässe Informatik- und Medienbildung (Modul Medien und Informatik). Am Gymnasium soll Informatik obligatorisches Fach werden. Ob die Forderungen der These 7 auch wirklich umgesetzt werden, hängt aber vom politischen Willen in den einzelnen Kantonen ab und ist frühestens ab 2016 zu erwarten.

    Eine Reform der informatischen Bildung an den Primar-, Sekundar- und Mittelschulen ist dringend notwendig!
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    These 8

    Ökobilanz der Photovoltaik verlangt mehr Transparenz!

    Die Sorgen über die Zukunftsfähigkeit von fossilen Energieträgern, die Auswirkungen auf die Umwelt und die Unsicherheiten über die Zukunft der Kernenergie sind Schlüsselfaktoren in der öffentlichen Wahrnehmung, welche die Expansion der Photovoltaik begünstigen. Leider wird dabei oft vernachlässigt, dass die Verwendung der Photovoltaik wie jede Methode der Stromerzeugung sicher und umweltverträglich zu erfolgen hat. Auf den ersten Blick sind die positiven Aspekte der Photovoltaik überzeugend. Das Sonnenlicht steht gratis zur Verfügung. Silizium ist reichlich vorhanden. Die Kosten der Elektrizitätsproduktion sind dauernd am Sinken. Der Energie-Erntefaktor ist beachtlich. Die Umweltbelastung scheint vernachlässigbar – ist es jedoch bei genauerem Hinsehen keineswegs, auch wenn von den Promotoren der Photovoltaik die Umweltbelastung klein geredet wird.

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    These 9

    Fluglärmbekämpfung: Was leistet der Zürcher Fluglärm-Index ZFI?

    Der Zürcher Fluglärm-Index ZFI stellt für Bevölkerung, Wirtschaft und Politik ein zweckmässiges Beurteilungsmass im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung der Flughafenregion Zürich dar. Der Grenz- oder Richtwert wird jedoch willkürlich festgelegt und ist deshalb politischen Einflüssen ausgesetzt.

    Fluglärmbekämpfung: Was leistet der Zürcher Fluglärm-Index ZFI?
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    These 10

    Unkonventionelle Gas-Produktion mit Fracking - Eine sichere Technologie

    Der Bedarf an fossiler Energie und damit die Gewinnung von Kohle, Erdöl und Erdgas steigt insbesondere bei den Entwicklungsländern mit ihrem wachsenden Energiehunger rasant an. Die bisherigen Prognosen über das Schwinden der Erdöl- und Erdgasvorräte basieren auf den direkt anzapfbaren Reserven. Mittels Fracking lassen sich jedoch unkonventionelle Kohlenwasserstoffe direkt aus dem Muttergestein fördern, was die bisherigen Prognose über die Reichweite der fossilen Ressourcen obsolet macht.

    Unkonventionelle Gas-Produktion mit Fracking - Eine sichere Technologie
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    These 11

    Die grossen globalen Erdgas-Ressourcen sind eine Chance für die Umwelt

    Der Energiebedarf der Schwellenländer führt in den kommenden 50 Jahren voraussichtlich zu einer Verdoppelung der benötigten Primärenergie. Auch wenn der Anteil fossiler Ressourcen von heute 86% auf geschätzte 80% zurückgehen wird, muss doch mit einem massiven Anstieg des Treibhausgas-Ausstosses erwartet werden. Dieser Anstieg kann durch den Einsatz von Erdgas anstelle von Erdöl oder Kohle deutlich gebremst werden.

    Die grossen globalen Erdgas-Ressourcen sind eine Chance für die Umwelt