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...atomstromfrei??? |
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Unsere fünf Kernkraftwerke decken 38 Prozent unseres Strombedarfs. Zwischen 2018 und 2022 werden die ersten drei davon stillgelegt werden müssen. 2028 und 2034 erreichen auch die KKWs Gösgen und Leibstadt das Ende der Lebensdauer. Der Bundesrat hat am 25. Mai 2011 aufgrund des KKW-Unfalles in Fukushima beschlossen, dass die Schweiz bis 2034 einen "geordneten" Ausstieg aus der Kernenergie vornimmt, d.h. keine neuen KKWs mehr baut, die bestehenden KKWs sukzessive stilllegt und den Energiebedarf durch Ausbau der Wasserkraft, Gaskraftwerke und Alternativenergien sowie Stromimporte deckt. Natürlich sollen auch mittels Lenkungsabgaben und Vorschriften aller Art bezüglich Energieverbrauch die Anstrengungen zum Stromsparen massiv erhöht werden. Ein Plan, wie die ausfallende Energie ersetzt werden soll, liegt erst ansatzweise vor und soll in den nächsten Jahren eine Konkretisierung erfahren. |
Das grosse Stromsparpotenzial... |
...kann nur beschränkt ausgenützt werden.
Die technisch möglichen Sparpotenziale können in der Praxis nur durch den Ersatz älterer Elektrogeräte realisiert werden, was einen grösseren Zeitraum beansprucht. Bisher ist jedoch trotz aller ständig vorgenommenen Einsparungen der Stromverbrauch infolge der Zunahmen der Bevölkerung, neuer Anwendungen, der Gerätezahl und der Nutzungsdauer stets angewachsen.
Das Sparpotenzial bezüglich Strom beträgt gemäss Abschätzungen rund einen Drittel. Dessen weitgehende Realisierung würde jedoch bei Einhaltung einer optimalen Ersatzstrategie für ältere Elektrogeräte sowie zufolge einzuräumender Uebergangsfristen, hoher Investitionen, Widerstände einschlägiger Wirtschaftsgruppierungen, politischer Ausmarchungen etc. Jahrzehnte dauern. Im gleichen Zeitraum nähmen aber stromkonsumierende Applikationen – wie bereits oben erwähnt – weiter zu. So betrug z.B. 2007 in Deutschland der Strombedarf für informationstechnische Anwendungen 55 TWh (Internet, Mobilfunk, Unterhaltungselektronik etc.), was 10.5% des Gesamtkonsums elektrischer Energie entsprach. Gemäss einer Entwicklungsabschätzung wird dieser Bedarf bis 2020 um 20% auf 67 TWh ansteigen. Die Verhältnisse in Deutschland lassen sich ohne Weiteres auf die Schweiz übertragen. Hinzu kommt, dass eine massive Einsparung fossiler Brennstoffe eine Zunahme des Stromverbrauchs bewirkt (Ersatz von Oelheizungen durch elektrisch betriebene Wärmepumpen, wachsender Einsatz von Elektromobilen, Ausbau des Schienenverkehrs usw.). Ferner bedingt allein die Zuwanderung in unser Land eine Erhöhung des Stromkonsums um rund 1%. Im vergangenen Jahr 2010 ist denn auch der gesamte Bedarf an Elektrizität sogar um ca. 4% angewachsen.
Sparpotenzial Elektrizität Energieverbrauch Graue Energie Stobbe, L., Schlomann, B., Friedewald, M. et al. (2009), Abschätzung des Energiebedarfs der weiteren Entwicklung der Informationsgesellschaft. Abschlussbericht an das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Berlin. Karlsruhe: Fraunhofer IZM und ISI. |
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Gaskraftwerke sind keine Lösung |
Mit fossilen Brennstoffen befeuerte Kraftwerke sind aus Gründen des Umweltschutzes generell abzulehnen. Gaskraftwerke könnten zwar rasch realisiert (ca. 3 Jahre) und zur Schliessung sich abzeichnender Stromlücken verwendet werden. Wie im nächsten Absatz gezeigt, produzieren sie jedoch im Betrieb ebenfalls grössere Mengen von Kohlendioxid. Ihr Einsatz - auch als sogenannte „Uebergangslösung“ - ist daher zu vermeiden.
Ein Gaskombikraftwerk produziert über 420 g CO2 pro erzeugte Kilowattstunde, ein reines Gaskraftwerk sogar über 640 g. Noch mehr Kohlendioxid entsteht beim Betrieb von Oel- und Kohlekraftwerken, nämlich 880 (mit Oel), 1070 (mit Steinkohle) und 1230 (mit Braunkohle) g CO2 / kWh. Zumeist nicht erwähnt werden andere Schadstoffe wie Stickstoff- und Schwefeloxide.
Ein Kernkraftwerk dagegen produziert bei Berücksichtigung des ganzen Brennstoffzyklus (Uranerzabbau, Urananreicherung, Brennelementherstellung, Abfallentsorgung) und des Baus und Abbruchs des Kraftwerks nur 5 bis 12 g CO2 pro kWh.
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Auch Stromimport ist keine Lösung |
Strom wird nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Europa knapp und teuer, vor allem bedingt durch den Ausstieg von Deutschland aus der Kernenergie. Wenn die Deckung des Strombedarfs zu einem beträchtlichen Teil auf Stromimport beruhen würde, wäre zudem die Versorgungssicherheit in Frage gestellt.
Der Strom-Blackout in Italien im September 2003 zeigt die Risiken, die grosse Importanteile mit sich bringen. Das europäische Verbundnetz ist nicht für grosse Energietransporte über weite Entfernungen bemessen und kommt jetzt schon häufig an seine Kapazitätsgrenze.
Natürlich könnte man das Netz ausbauen, aber allein die Bewilligungsverfahren für den Neubau von Hochspannungsleitungen oder -kabeln dauern üblicherweise 10 bis 20 Jahre. Die von gewissen Umweltschützern propagierte Idee, 13000 GWh (pro Jahr) von einem Offshore-Windpark in der Nordsee über 1000 km in die Schweiz transportieren zu wollen, muss nicht nur wegen den Verlusten sowie aus Zeit- und Kostengründen als völlig unzweckmässig bezeichnet werden. Die EU-Richtlinie verbietet eine alleinige Nutzung von Leitungen zu diesem Zweck. Ausserdem bestünde erst noch die Möglichkeit einer Erpressung der Schweiz durch das Ausland. Dass solche Machenschaften nicht aus der Luft gegriffen sind, zeigt die kürzlich von Russland und der Ukraine erfolgte temporäre Unterbindung von Erdgaslieferungen an die EU. Auch die geplante Gewinnung von Solarstrom in den politisch unstabilen nordafrikanischen Wüstengebieten (Grossprojekt DESERTEC) und dessen Transfer mittels Hochspannungsgleichstromübertragung (HGÜ) nach Zentraleuropa ist mit entsprechenden Risiken behaftet.
Vorschau 2006 Perspektivpapier "Unterwegs zur Vollversorgung mit erneuerbaren Energien" [1'479 KB]
Solarenergie aus Wüstengebieten |
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Alternativenergien genügen nicht |
Sonnen- und Windkraftwerke können auch bei maximal möglichem Ausbau nur einen kleinen Bruchteil unseres Strombedarfs decken. Eine Photovoltaik-Anlage in der Schweiz gibt in einem Jahr nur so viel Energie ab, wie sie bei optimaler Sonneneinstrahlung in 900 bis 1100 Stunden liefern würde, während ein Kernkraftwerk seine maximale Leistung während etwa 8000 Stunden erbringt. Sonnen- oder Windkraftwerke können kein einziges konventionelles Kraftwerk ersetzen, welches Bandenergie (7d/24h) produziert, denn nachts oder bei Windstille muss ein konventionelles Kraftwerk mit entsprechender Leistung als Reserve zur Verfügung stehen. Auch die Stromproduktion aus Biomasse kann nur einen kleinen Bruchteil unseres Strombedarfs decken.
Ein gewisses Potenzial für die Erzeugung von Bandenergie bietet die Geothermie. Leider führte letzthin ein Grossversuch in Basel zu einem Erdbeben mit Schäden an Gebäuden zufolge des in den Untergrund gepressten Wassers. Daraufhin wurde das Experiment abgebrochen, was einen schweren Rückschlag für die weitere Exploration dieser Technologie in unserem Land bedeutet. |
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Alternativenergien allgemein
Der bis 2035 potenziell mögliche Anteil an der Deckung des gesamten Stromverbrauchs in der Schweiz beträgt für die Windenergie 1.1%, für die Photovoltaik 4.9% und für die Biomasse 5.5%.
Im Jahr 2008 lieferten die Windkraftwerke rund 19 GWh und die photovoltaischen Anlagen weniger als 35 GWh pro Jahr. Die schweizerischen Kernkraftwerke produzieren aber in der Regel über 25'000 GWh pro Jahr. Um sie durch photovoltaische Anlagen und Windkraftwerke zu ersetzen, müsste also die Zahl dieser Anlagen um einen Faktor 463 vergrössert werden. Wo sollen diese stehen? Wollen wir unseren Nachfahren eine durch Windräder und Solarpanels verschandelte Landschaft hinterlassen, die erst noch keine Bandenergie (7d/24h) produziert? So erfordert z.B. der Ersatz des KKW Leibstadt, das eine jährliche (Band-)Energie von 9.4 TWh produziert, eine mit Solarzellen bedeckte Fläche von 60 Quadratkilometern oder - noch schlimmer - 2100 Windturbinen, welche die Schweiz mit einer "Spargellandschaft" von 400 Quadratkilometern beglücken würden.
Potential neuer Technologien Schweiz. Elektrizitätsstatistik 2009 Bundesamt für Energie Vernünftige Energiepolitik, Bulletin 47 Vernünftige Energiepolitik, Bulletin 48 Vergleich Stromproduktionsarten
Photovoltaische Kraftwerke
Im Jahr 2008 lieferten die schweizerischen Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtnennleistung von 44 MW total 33 GWh. Dies entspricht 750 Volllaststunden, d.h. nur während 750 Stunden hätten die Anlagen ihre Nennleistung abgegeben. Das bedeutet natürlich nicht, dass die Anlagen nur während 750 Stunden Strom abgegeben haben. Volllaststunden dürfen nicht mit Betriebsstunden verwechselt werden, aber sie liefern den Faktor, mit dem die Nennleistung multipliziert werden muss, um die pro Jahr total gelieferte Energie zu erhalten.
Solarstromstatistik Vernünftige Energiepolitik, Bulletin 36 |
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Strom kann nicht in grossen Mengen... |
...gespeichert werden.
Grosse elektrische Energiemengen können mit vernünftigem technischen und wirtschaftlichem Aufwand nur mit Hilfe von Speicherkraftwerken gespeichert werden. Das Potenzial der Speicherkraftwerke ist in der Schweiz aber praktisch ausgeschöpft.
Grundsätzlich wäre es möglich, mit Hilfe von photovoltaischen Anlagen und Windkraftwerken durch Elektrolyse Wasserstoff zu produzieren und diesen dann bei Dunkelheit oder Windstille in einem geeigneten Gaskraftwerk zur Stromproduktion zu verwenden. Da aber die Wirkungsgrade der Elektrolyse 80 Prozent und des Gaskraftwerks 40 Prozent (Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk: 60 Prozent) betragen, ist der Gesamtwirkungsgrad dieser Art von Stromspeicherung nur etwa 32 (bzw. 48) Prozent. Das hat zur Folge dass bei dieser Lösung die erforderliche Nennleistung der photovoltaischen Anlagen und Windkraftwerke um einen beträchtlichen Faktor höher sein müsste als die elektrische Leistung, die als Bandenergie zur Verfügung stehen soll.
In jüngerer Zeit spricht man von sog. "Smart Grids" (Intelligente Stromnetze), die eine kommunikative Vernetzung und Steuerung von Stromerzeugern, Speichern, elektrischen Verbrauchern und Netzbetriebsmitteln erlauben. Damit lässt sich sowohl eine dezentrale Energieerzeugung als auch eine dezentrale Energiespeicherung beherrschen. Bezüglich Energiespeicher denkt man z.B. an die Batterien der zahlreichen Elektromobile, die in fernerer Zukunft für den Individualverkehr eingesetzt werden. Bis aber Smart Grids flächendeckend und mit ausreichender Funktionssicherheit zur Verfügung stehen, wird es noch einige Jahrzehnte dauern.
Grundlagen zur Stromspeicherung Intelligentes Stromnetz |
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Sicherheit ist gewährleistet |
Bei den heute in West- und Nordeuropa in Betrieb stehenden Reaktoren gab es keine Zwischenfälle, die zum Austritt nennenswerter bzw. umweltbeeinflussender Mengen von radioaktiven Gasen oder Flüssigkeiten geführt haben. Zudem ist bei den neuen Reaktoren der 3. und 4. Generation, letztere allerdings erst als Konzepte vorliegend, die Wahrscheinlichkeit für einen schweren Unfall noch weiter reduziert. Neue Möglichkeiten bieten sich auch mit kleineren Reaktoren, die in grösserer Zahl verteilt installiert werden können. So will die amerikanische Firma Holtec International demnächst einen modularen Untergrund-Reaktor auf den Markt bringen, der für die Kühlung ohne Reaktorumwälzpumpe auskommt. Damit entfällt das Problem der Notkühlung. Dieser Reaktortyp trägt die Bezeichnung HI-SMUR (Holtec Inherently Safe Modular Underground Reactor) und hat eine thermische Leistung von 440 MW bzw. eine elektrische von mindestens 140 MW.
Der Reaktorunfall von Tschernobyl wird immer als Paradebeispiel angeführt, dass die Sicherheit von Kernkraftwerken nicht gewährleistet sei. Genau besehen handelt es sich dabei jedoch nicht um einen Betriebsunfall, sondern um die Folgen verantwortungslos durchgeführter Experimente mit der Weiterentwicklung eines militärischen Versuchsreaktors, der zufolge inhärenter Sicherheitsmängel mit unseren Kernkraftwerken überhaupt nicht vergleichbar ist und im Westen niemals eine Betriebsbewilligung erhalten hätte.
Die Katastrophe von Fukushima darf ebenfalls nicht einfach als Betriebsunfall eingestuft werden und ist insbesondere keine Konsequenz des von den Medien vielzitierten „Restrisikos“ der Kernenergiegewinnung , sondern vielmehr auf eine riskante Standortwahl in einem besonders erdbebengefährdeten Gebiet Japans, auf eine grobe Fehleinschätzung der Tsunamigefahr, auf missachtete Warnungen aus dem In- und Ausland, auf mangelnde Sorgfalt beim Betrieb und Unterhalt der Anlagen durch ihre Besitzerin, die Firma Tepco (Tokyo Electric Power Company), sowie auf deren ungenügende Ueberwachung durch die japanische Nuklearbehörde NISA (Nuclear and Industrial Safety Agency) zurückzuführen. Auch das Krisenmanagement liess zu wünschen übrig. Dazu einige aufschlussreiche Erläuterungen:
- Eine Statistik über die vergangenen 513 Jahre ergibt, dass im Mittel alle 30 Jahre ein Tsunami mit Frontwellen von >10m Höhe zu erwarten ist und maximale Höhen bis zu 30m vorkommen können. Die Bauten des KKW Fukushima I, die zu Beginn der 70er Jahre erstellt wurden, liegen direkt am Meer, und zwar 10 bis 13m über dem Meeresspiegel. Die Notstrom-Dieselgeneratoren, die für die Aufrechterhaltung der Kühlung bei Störfällen von zentraler Bedeutung sind, brachte man im Untergeschoss (!) des Turbinengebäudeteils ohne besonderen Schutz gegen Wassereinbrüche unter. Aufgeschreckt durch das Erdbeben vom 16.07.2007, das eine Stärke von 6.6 aufwies, wurde eine Schutzmauer gegen Tsunamis gebaut, allerdings nur mit einer Höhe von 5.7m (!). Der Ausfall der Notstromgruppen beim jüngsten Tsunami vom 11.03.2011 (Erdbebenstärke 9.0) mit einer Frontwellenhöhe von 13 bis 15m war damit als Folge einer ungenügenden baulichen Auslegung der Anlage unvermeidlich.
- Bereits 1990 warnte die amerikanische Nuklearbehörde NCR vor dem Ausfall der Notstrom-Dieselgeneratoren und Kühlsysteme in erdbebengefährdeten KKWs. Obwohl die NISA diesen Bericht 2004 in ihrem Zuständigkeitsbereich bekannt machte, reagierte Tepco nicht. Aber schon viel früher (70er und 80er Jahre) verzichtete Tepco im Rahmen einer Aktion zur Verbesserung des Erdbebenschutzes auf eine Verlegung der Notstromgeneratoren und Kühlwasserpumpen an einen günstiger gelegenen Ort, weil sich in den bestehenden Gebäulichkeiten zu wenig Platz dafür anbot. Allfällige Neu- oder Umbauten zog man aus Kostengründen nicht in Betracht. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass auch wiederholte Warnungen vor der Tsunamigefahr von Seiten eines japanischen Parlamentsabgeordneten der Präfektur Fukushima und des Leiters eines japanischen Erdbebenforschungszentrums an die Adresse des Tepco-Firmenvorstands kein Gehör fanden.
- Im Jahr 2002 stellte sich heraus, dass während 16 Jahren Berichte der Tepco zu Handen der NISA über Reparaturen und sicherheitsrelevante Vorfälle gefälscht bzw. verschwiegen worden waren. Trotz eines dadurch bedingten Wechsels des Firmenvorstandes wies die NISA am 01.03.2011, also kurz vor der jüngsten Katastrophe, der Tepco erneut grosse Mängel bei der Wartung und Inspektion ihrer KKWs nach.
- Der NZZ vom 09.06.2011 (Nr. 133, p. 7) konnte man entnehmen, dass die japanische Regierung in einem kürzlich verfassten Bericht für die Internationale Atomenergiebehörde IAEA eingestanden hat, dass es schwere Mängel im Krisenmanagement in Fukushima gegeben habe.
Abschliessend sei noch bemerkt, dass schweizerische und auch deutsche KKWs über erdbeben- und überschwemmungssichere Notstromaggregate verfügen und zudem mit sog. Rekombinatoren ausgerüstet sind, die in einer kritischen Situation den allfällig austretenden Wasserstoff oxidieren, so dass es nicht wie in Fukushima wegen Knallgasexplosionen zu Gebäudezerstörungen kommen kann.
Nuclear Power After Fukushima. IEEE Spectrum Vol. 48, No. 11, pp. 24-43. Katastrophe von Tschernobyl Generation IV Advanced evolutionary reactor Reactor generations SMR-Reaktoren |
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Sichere Endlagerung ist möglich |
Die von der Nagra ausgearbeitete Lösung einer geologischen Tiefenlagerung radioaktiver Abfälle in Opalinus-Tonschichten wird von international anerkannten Experten als sicher beurteilt und wurde auch vom Bundesrat als Lösung für die Entsorgung der hochradioaktiven Abfälle genehmigt. Finnland, Frankreich und Schweden haben zum Beispiel bereits ein Endlager für leicht- und mittelradioaktive Abfälle in Betrieb. Ein Lager für hochradioaktive Abfälle ist in Finnland im Bau.
Man studiert heute auch Möglichkeiten, mittels physikalischer und chemischer Verfahren die hochradioaktiven Abfälle so umzuwandeln, dass erheblich kürzere Halbwertszeiten resultieren (H.-M. Prasser, ETHZ, Kernspaltung – ein notwendiger Beitrag zu einer nachhaltigen Energieversorgung. TGZ-Vortrag, 24. Sept. 2007). Unter diesem Gesichtspunkt erscheint es vorteilhaft, die Endlager als eine Art „Langzeit-Zwischenlager“ zu konzipieren, d.h. man behält sich vor, gegebenenfalls wieder auf die Abfälle zugreifen zu können. Eine solche Lagerstruktur würde es zudem ermöglichen, die Abfälle nachträglich an noch günstigere Orte zu verlegen, wenn man hinsichtlich Standort zu neuen Einsichten gelangen sollte.
Es ist wenig bekannt, dass schon vor 1.8 Milliarden Jahren in den Uranerzlagern von Oklo (Gabun) mehrere natürliche Reaktoren aktiv waren. Alle (inzwischen nicht mehr radioaktiven) Folgesubstanzen der hochradioaktiven Spaltprodukte sind immer noch an Ort und Stelle, obwohl sie nicht in Glas eingeschmolzen und nicht in wasserundurchlässigen Gesteinsschichten deponiert wurden.
Abschliessend sei noch erwähnt, dass die Schweiz mit oder ohne Ausstieg aus der Kernenergie nicht um den Bau eines Endlagers herum kommt, um die bereits vorhandenen und die aus zukünftigen Aktivitäten (Medizin, Industrie, Forschung etc.) anfallenden Abfälle zu entsorgen.
Naturreaktor Endlagerung |
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Fazit |
Die Existenz potenzieller Technologien – einerseits zur Gewinnung alternativer Energien, andererseits zur Stromeinsparung – für die umweltfreundliche und sichere Elektrizitätsversorgung einer wachsenden Gesellschaft mit immer höheren Ansprüchen auf die Befriedigung technischer Bedürfnisse wird grundsätzlich nicht bestritten. Ein Verzicht auf die Kernenergie in der vom Bundesrat anvisierten Zeitspanne von rund 25 Jahren führt aber selbst bei angemessenen Fortschritten bezüglich der Erschliessung alternativer Energiequellen und der Einsparung von Strom zu drei gravierenden Nachteilen für die Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt:
1) Der Strom wird teurer
2) Die Stromversorgung wird unsicherer
3) Der Strom wird „schmutziger“
Zu 1): Niemand zweifelt ernsthaft daran, dass der Strom zufolge des Ausstieges aus der Kernenergie teurer wird. Nur das Mass der Verteuerung und deren Auswirkungen sind umstritten. Gegenüber Ländern, welche die Kernenergie weiter nutzen und sogar ausbauen werden, wird die Schweiz an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Die unabdingbar notwendigen Begleitmassnahmen zum Stromsparen wie etwa die Einführung von Vorschriften, Lenkungsabgaben, Energiesteuern und Subventionen verringern die Wettbewerbsfähigkeit zusätzlich, blasen die Staatsbürokratie auf und schränken die Freiheit und damit die Lebensqualität der Bürger ein. Natürlich resultieren neue Aktivitäten in umweltfreundlichen technischen Disziplinen, aber ein vertrauenswürdiger Nachweis liegt nicht vor, dass das entsprechend aufkommende Wirtschaftsvolumen die erwähnten Nachteile, insbesondere auch den Stellenverlust durch abwandernde energiehungrige Industriezweige, kompensieren wird.
Zu 2): Die Stromversorgung wird unsicherer, denn ein Energieversorgungsnetz mit massiv fluktuierender, verteilter Stromeinspeisung wird zufolge höherer Komplexität störanfälliger und neigt zu lokalen Ueberlastungen (black-outs) – insbesondere dann, wenn der Stromkonsum trotz Sparmassnahmen weiter anwächst, was unter den gegebenen Verhältnissen in der Schweiz und in Europa erwartet werden muss. Unbestritten ist auch der Umstand, dass die verteilte Alternativenergieerzeugung eines angemessenen Netzausbaus bedarf. Wie es sich heute schon zeigt, erwachsen den Bewilligungsverfahren sowohl für den Bau der vielen kleinen Energieerzeugungsanlagen als auch für die Erstellung der entsprechenden Verteilnetze eine riesige Zahl an Beschwerden, deren Abarbeitung die Realisierung beliebig verzögern. Dass ferner zufolge des notwendigen Stromimports die Unabhängigkeit der Stromversorgung unseres Landes leidet und auf politischer Ebene sogar Erpressungsmanöver möglich werden, lässt sich wohl kaum vollständig ausschliessen.
Zu 3): Die Elektrizitätsversorgung in der Schweiz wird nie „atomstromfrei“ sein, weil andere Länder weiterhin Kernkraftwerke betreiben werden und damit der importierte Strommix Kernenergie enthält. Quer zur bisherigen Energiepolitik steht aber vor allem die Tatsache, dass nun wieder thermische Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen zum Zuge kommen und sogar in grosser Zahl neu gebaut werden müssen, um den fehlenden Strom aus den in den nächsten Jahren sukzessive abgeschalteten Kernkraftwerken, der ja nur langsam und in bescheidenem Ausmass durch Alternativenergie ersetzt werden kann, zu kompensieren. Verlautbarungen umweltfreundlicher Vereinigungen, man könne trotz Ausstieg aus der Atomenergie die an den internationalen Klimakonferenzen festgelegten Ziele erreichen, sind wohl unter diesen Umständen als reine Wunschträume zu interpretieren.
Mindestens im 21. Jahrhundert bieten deshalb nach wie vor Kernkraftwerke die umweltfreundlichste Lösung einer ausreichenden, zuverlässigen und kostengünstigen elektrischen Energieversorgung unseres Landes an, wobei sowohl die Sicherheit moderner Reaktoren bei sorgfältigem Betrieb und seriöser Ueberwachung als auch die über extrem lange Zeiträume gefahrlose Endlagerung radioaktiver Abfälle nach dem Stand der heutigen Erkenntnisse und gemäss den verfügbaren technischen Möglichkeiten gewährleistet sind. |
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Zuletzt geändert: 16. Nov. 2011 |
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