Thesen zu aktuellen technischen Problemen:

These 1: Unser Land braucht neue Kernkraftwerke

These 2: Elektro-Smog: Keine nachweisbare Gefährdung der Gesundheit

These 3: Die Schweiz braucht mehr Ingenieure!

These 4: Elektrische Energieübertragung: Freileitungen oder erdverlegte Kabel?

These 5: Zweite Röhre für den Gotthard-Strassentunnel ist sinnvoll

Diese Thesen resultieren aus dem angesammelten Expertenwissen der Mitglieder der TGZ und werden von ihrer Mehrheit getragen. Sie beleuchten ausschliesslich die sachlich-technischen Aspekte der angesprochenen Problemkreise.

...neue Kernkraftwerke

Unsere fünf Kernkraftwerke decken 38 Prozent unseres Strombedarfs. Zwischen 2019 und 2021 werden die ersten drei davon stillgelegt werden müssen.

Das grosse Stromsparpotenzial...

...kann nur beschränkt ausgenützt werden.

Die technisch möglichen Sparpotenziale können in der Praxis nur durch den Ersatz älterer Elektrogeräte realisiert werden, was einen grösseren Zeitraum beansprucht. Bisher hat jedoch trotz aller ständig vorgenommenen Einsparungen der Stromverbrauch infolge der Zunahmen der Bevölkerung, neuer Anwendungen, der Gerätezahl und der Nutzungsdauer stets zugenommen.

Das Sparpotenzial bezüglich Strom beträgt gemäss Abschätzungen rund einen Drittel. Dessen weitgehende Realisierung würde jedoch bei Einhaltung einer optimalen Ersatzstrategie für ältere Elektrogeräte sowie zufolge einzuräumender Uebergangsfristen, hoher Investitionen, Widerstände einschlägiger Wirtschaftsgruppierungen, politischer Ausmarchungen etc. Jahrzehnte dauern. Im gleichen Zeitraum nähmen aber stromkonsumierende Applikationen – wie bereits oben erwähnt – weiter zu. So hat z.B. schon heute in der Schweiz der Strombedarf für informationstechnische Anwendungen am Gesamtkonsum elektrischer Energie 10% erreicht und wird analog zu einer Entwicklungsabschätzung in Deutschland bis 2010 auf 19% klettern. Hinzu kommt, dass eine massive Einsparung fossiler Brennstoffe eine Zunahme des Stromverbrauchs bewirkt (z.B. Ersatz von Oelheizungen durch elektrisch betriebene Wärmepumpen, vermehrter Einsatz von Elektromobilen und Ausbau des Schienenverkehrs). Ferner bedingt allein die Zuwanderung in unser Land eine Erhöhung des Stromkonsums um rund 1%.
Sparpotenzial Elektrizität
Energieverbrauch
Graue Energie

Gaskraftwerke sind keine Lösung

Mit fossilen Brennstoffen befeuerte Kraftwerke sind aus Gründen des Umweltschutzes generell abzulehnen. Auch Gaskraftwerke produzieren im Betrieb grosse Mengen von Kohlendioxid. Daher sind sie (auch als „Uebergangslösung“) keine Alternative.

Ein Gaskombikraftwerk produziert über 420 g CO2 pro erzeugte Kilowattstunde, ein reines Gaskraftwerk sogar über 640 g. Noch mehr Kohlendioxid entsteht beim Betrieb von Oel- und Kohlekraftwerken, nämlich 880 (mit Oel), 1070 (mit Steinkohle) und 1230 g (mit Braunkohle) CO2 / kWh. Zumeist nicht erwähnt werden andere Schadstoffe wie Stickstoff- und Schwefeloxide.

Ein Kernkraftwerk dagegen produziert bei Berücksichtigung des ganzen Brennstoffzyklus (Uranerzabbau, Urananreicherung, Brennelementherstellung, Abfallentsorgung) und des Baus und Abbruchs des Kraftwerks nur 5 bis 12 g CO2 pro kWh.

 
 

Auch Stromimport ist keine Lösung

Strom wird nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Europa knapp und teuer. Wenn die Deckung des Strombedarfs zu einem beträchtlichen Teil auf Stromimport beruhen würde, wäre die Versorgungssicherheit nicht mehr gewährleistet.

Der Strom-Blackout in Italien im September 2003 zeigt die Risiken, die grosse Importanteile mit sich bringen. Das europäische Verbundnetz ist nicht für grosse Energietransporte über weite Entfernungen bemessen und kommt jetzt schon häufig an seine Kapazitätsgrenze.

Natürlich könnte man das Netz ausbauen, aber allein die Bewilligungsverfahren für den Neubau von Hochspannungsleitungen oder -kabeln dauern üblicherweise 10 bis 20 Jahre. Die von politisch links stehenden Kreisen propagierte Idee, 13000 GWh (pro Jahr) von einem Offshore-Windpark in der Nordsee über 1000 km in die Schweiz transportieren zu wollen, muss nicht nur wegen den Verlusten sowie aus Zeit- und Kostengründen als völlig unzweckmässig bezeichnet werden. Die EU-Richtlinie verbietet eine alleinige Nutzung von Leitungen. Ausserdem bestünde erst noch die Möglichkeit einer Erpressung der Schweiz durch das Ausland. Dass solche Machenschaften nicht aus der Luft gegriffen sind, zeigt die kürzlich von Russland und der Ukraine erfolgte temporäre Unterbindung von Erdgaslieferungen nach der EU.
Vorschau 2006
Perspektivpapier "Unterwegs zur Vollversorgung mit erneuerbaren Energien"

Alternativenergien genügen nicht

Sonnen- und Windkraftwerke können auch bei maximal möglichem Ausbau nur einen kleinen Bruchteil unseres Strombedarfs decken. Die Sonne scheint in der Schweiz rund 800 Stunden im Jahr, d.h. knapp 10% der totalen 8670 Jahresstunden. Sonnen- oder Windkraftwerke können kein einziges konventionelles Kraftwerk ersetzen, welches Bandenergie (7d/24h) produziert, denn nachts oder bei Windstille muss ein konventionelles Kraftwerk mit entsprechender Leistung als Reserve zur Verfügung stehen. Auch die Stromproduktion aus Biomasse kann nur einen kleinen Bruchteil unseres Strombedarfs decken.

Alternativenergien allgemein

Der bis 2035 potenziell mögliche Anteil an der Deckung des gesamten Stromverbrauchs in der Schweiz beträgt für die Windenergie 1.1%, für die Photovoltaik 4.9% und für die Biomasse 5.5%.
Zur Zeit liefern die Windkraftwerke rund 16 GWh und die photovoltaischen Anlagen weniger als 27 GWh pro Jahr. Die schweizerischen Kernkraftwerke produzieren aber in der Regel über 25'000 GWh pro Jahr. Um sie durch photovoltaische Anlagen und Windkraftwerke zu ersetzen, müsste also die Zahl dieser Anlagen um einen Faktor 735 vergrössert werden. Wo sollen diese stehen? Wollen wir unseren Nachfahren eine durch Windräder und Solarpanels verschandelte Landschaft hinterlassen, die erst noch keine Bandenergie (7d/24h) produziert?
Potential neuer Technologien
Schweiz. Elektrizitätsstatistik 2005
Bundesamt für Energie
Vernünftige Energiepolitik, Bulletin 47
Vernünftige Energiepolitik, Bulletin 48

Photovoltaische Kraftwerke

Im Jahr 2005 lieferten die schweizerischen Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtnennleistung von 24 MW total 18 GWh. Dies entspricht 750 Volllaststunden, d.h. nur während 750 Stunden hätten die Anlagen ihre Nennleistung abgegeben. Das bedeutet natürlich nicht, dass die Anlagen nur während 750 Stunden Strom abgegeben haben. Volllaststunden dürfen nicht mit Betriebsstunden verwechselt werden, aber sie liefern den Faktor, mit dem die Nennleistung multipliziert werden muss, um die pro Jahr total gelieferte Energie zu erhalten.
Solarstromstatistik
Vernünftige Energiepolitik, Bulletin 36

Strom kann nicht in grossen Mengen...

...gespeichert werden.

Grosse elektrische Energiemengen können mit vernünftigem technischen und wirtschaftlichem Aufwand nur mit Hilfe von Speicherkraftwerken gespeichert werden. Das Potenzial der Speicherkraftwerke ist in der Schweiz aber praktisch ausgeschöpft.
Grundsätzlich wäre es möglich, mit Hilfe von photovoltaischen Anlagen und Windkraftwerken durch Elektrolyse Wasserstoff zu produzieren und diesen dann bei Dunkelheit oder Windstille in einem geeigneten Gaskraftwerk zur Stromproduktion zu verwenden. Da aber die Wirkungsgrade der Elektrolyse und des Gaskraftwerks nur 80 bzw. 35 Prozent betragen, ist der Gesamtwirkungsgrad dieser Art von Stromspeicherung nur etwa 28 Prozent. Das hat zur Folge dass bei dieser Lösung die erforderliche Nennleistung der photovoltaischen Anlagen und Windkraftwerke um einen beträchtlichen Faktor höher sein müsste als die elektrische Leistung, die als Bandenergie zur Verfügung stehen soll.
Grundlagen zur Stromspeicherung

Sicherheit ist gewährleistet

Bei den heute in West- und Nordeuropa in Betrieb stehenden Reaktoren gab es keine Zwischenfälle, die zum Austritt nennenswerter bzw. umweltbeeinflussender Mengen von radioaktiven Gasen oder Flüssigkeiten geführt haben. Zudem ist bei den neuen Reaktoren der 3. und 4. Generation die Wahrscheinlichkeit für einen schweren Unfall noch weiter reduziert.

Der Reaktorunfall von Tschernobyl wird immer als Paradebeispiel angeführt, dass die Sicherheit von Kernkraftwerken nicht gewährleistet sei. Genau besehen handelt es sich dabei jedoch nicht um einen Betriebsunfall, sondern um die Folgen eines verantwortungslos durchgeführten Experiments mit einem instabilen Reaktor, der mit unseren Kernkraftwerken überhaupt nicht vergleichbar ist und im Westen niemals eine Betriebsbewilligung erhalten hätte.
Katastrophe von Tschernobyl
Generation IV
Advanced evolutionary reactor
Reactor generations

Sichere Endlagerung ist möglich

Die von der Nagra ausgearbeitete Lösung einer geologischen Tiefenlagerung radioaktiver Abfälle in Opalinus-Tonschichten wird von international anerkannten Experten als sicher beurteilt und wurde auch vom Bundesrat als Lösung für die Entsorgung der hochradioaktiven Abfälle genehmigt. Finnland, Frankreich und Schweden haben zum Beispiel bereits ein Endlager für leicht- und mittel-radioaktive Abfälle in Betrieb. Ein Lager für hochradioaktive Abfälle ist in Finnland im Bau.
Es ist wenig bekannt, dass schon vor 1.8 Milliarden Jahren in den Uranerzlagern von Oklo (Gabun) mehrere natürliche Reaktoren aktiv waren. Alle (inzwischen nicht mehr radioaktiven) Folgesubstanzen der hochradioaktiven Spaltprodukte sind immer noch an Ort und Stelle, obwohl sie nicht in Glas eingeschmolzen und nicht in wasserundurchlässigen Gesteinsschichten deponiert wurden.
Naturreaktor
Endlagerung

Fazit

Die Existenz potenzieller Technologien - einerseits zur Stromeinsparung, andererseits zur Ausnützung alternativer Energien - für die umweltfreundliche Elektrizitätsversorgung einer wachsenden Gesellschaft mit immer höheren Ansprüchen auf die Befriedigung technischer Bedürfnisse wird grundsätzlich nicht bestritten. Aus den vorangehend genannten Gründen ist es aber nicht möglich, die erwähnten Technologien im Verlauf der nächsten 50 bis 100 Jahre im erforderlichen Umfang nutzbar zu machen. Mindestens in dieser Zeitspanne bieten Kernkraftwerke die umweltfreundlichste Lösung einer ausreichenden und zuverlässigen elektrischen Energieversorgung unseres Landes an, wobei sowohl die Sicherheit moderner Reaktoren als auch die über extrem lange Zeiträume gefahrlose Endlagerung radioaktiver Abfälle nach dem Stand der heutigen Erkenntnisse und den technischen Möglichkeiten gewährleistet sind.


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Kernkraftwerke
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