die Entwicklung einer jungen Wissenschaft seit ihrer "Geburt"
Die Informatik (Informationstechnik) spielt in unserer heutigen Gesellschaft eine zentrale und noch immer wachsende Rolle. Der Begriff entstand 1962 in Frankreich als Kunstwort für die beiden amerikanischen Begriffe "Computer Science" und "Data Processing", setzte sich kontinentaleuropäisch rasch durch, wurde in England als "Information Technology" übersetzt und wird als "IT" abgekürzt inzwischen auch hierzulande verwendet. Informatik führt zur Informationsgesellschaft, virtuellen Welten, digitaler Revolution. Dabei wurde erst in den 1940-er Jahren das programmierbare, automatische Rechnen technisch überhaupt möglich (die automatische Datenverarbeitung mit Lochkarten schon seit 1891). Technisch entwickelte sich die Informatik aus zwei ganz unterschiedlichen Fachgebieten heraus, aus der Mathematik und der Elektrotechnik, insbesondere der Mikroelektronik. Die Programmierung von automatischen Rechenprozessen (Algorithmen) basiert auf der mathematischen Logik. Aber erst die Verfügbarkeit immer grösserer, schnellerer und gleichzeitig kostengünstigerer elektronischer Schaltsysteme (Moore'sches Gesetz) erlaubte die breite Nutzung solcher Rechenprozesse. In den letzten Jahrzehnten wurden die Rechner (Computer) immer leistungsfähiger und flexibler; auf ihnen werden längst nicht nur Zahlen, sondern auch Texte, Daten, Bilder, Sprache und Kombinationen davon (Multimedia) dargestellt, gespeichert und umgeformt: die gleiche Technik für jede Form von Informationsinhalten. Die Digitalisierung in der Wissensdarstellung hat einen weiteren, früher unvorstellbaren Vorteil: Sie erlaubt das Kopieren eines Originals ohne Qualitätsverlust. Diese Vorteile des Computers wurden inzwischen noch potenziert durch neue Nutzungen der Telekommunikation: Computer werden verbunden und in Datennetze eingefügt; heute wichtigstes Beispiel dafür ist das Internet mit seinen verschiedenen Diensten (Mail, World Wide Web usw.).
Das Referat schildert aber auch personelle, wirtschaftliche und wissenschaftspolitische Probleme, die mit dem Auftreten völlig neuartiger Methoden und Produkte verbunden sind. Heute sind in der Schweiz weit über 100'000 Personen als "Informatiker/in" tätig, davon aber 70 % ohne adäquate Berufsausbildung in Informatik (Quereinsteiger). Und das Fach "Informatik" ist in allgemeinbildenden Schulen der Schweiz (Gymnasien) heute schlechter vertreten als vor 25 Jahren. Die "Geburtswehen" des jungen Fachgebiets Informatik sind noch längst nicht ausgestanden.
Prof. Dr. C.A. Zehnder ETH Zürich
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